Ringvorlesung SS 2013

 

“Intentionally Blank Page”

Mediale Leerstellen als Leerstellen der Medien|Wissenschaft

Medien vermögen zu verbinden, zu vermitteln und zu übermitteln. Sie sind Träger und Überträger, ob als technische Apparaturen, Agenten, kulturelle und soziale Institutionen, ästhetische und wahrnehmungsbezogene Komplexe, Prozesse oder Prozeduren. Medien können als ein Dazwischen gedacht oder als Brücken und Schnittstellen zu einem spezifischen Etwas verstanden werden. Wenn Medien übermitteln, impliziert dies zugleich räumliche, zeitliche oder kulturelle Distanzzonen, die durch Medien gefüllt oder überwunden werden. Medien selbst produzieren und prozessieren somit immer auch Unbeobachtetes, blinde Flecken und Hohlräume des (Nicht-)Wissens.

Diese Leerstellen, in denen Medien operieren oder die Medien gar verkörpern, sind zugleich Katalysator medienwissenschaftlicher Forschung und es steht zu vermuten, dass das semantische Feld der Leere, des Mangels oder der blinden Flecken seit jeher (medien) wissenschaftliche Theoriebildung begleitet und befördert. Wie anders könnte sich Medienwissenschaft als Wissenschaft positionieren, wenn nicht über Erkenntnislücken, über Unerforschtes und Ungewusstes? Neben Ansätzen, die sich dem Was oder Wann eines Mediums widmen, eröffnet sich so ein Feld der Ungewissheit theoretischer Verortungen von Medien, dem Wissen über und durch Medien sowie letztlich von Medienwissenschaft selbst. Neben die ‘Entdeckung’ neuer Leerstellen tritt so auch die Erkenntnis, dass es sogar ein Wissen um die Leerstelle selbst geben muss, das gerade nicht gefüllt werden kann. Die Leerstelle avanciert so zur methodischen und konzeptionellen Konstante medienwissenschaftlicher Forschung und zu deren Gegenstand zugleich.

Wo die bisherigen Doktoranden-Ringvorlesungen die Erkenntnislücke zu ihrem Ausgangspunkt erheben, um „etwas“ zu beobachten, konkretisiert sich das Thema in diesem Semester durch die Beobachtung der Leerstelle selbst – jenseits eines etwas. Wir thematisieren Nichts!

Informationen zur Anfertigung eines Essay

 

Vorlesungsplan im Sommersemester 2013:

Montags von 19:30 bis 21:00 im Hörsaal VIII, Hauptgebäude, Universität zu Köln (Organisation: Carola Hilbrand/Johannes Breuer/Stefan Udelhofen)

  • 15.04.2012 Konstituierende Sitzung

 

Blinde Flecken

  • 22.04.2013 Lacking a cohesive story: Geschichte(n) zwischen Historiographie und Performance-Theater (Sascha Förster)
  • 29.04.2013  Visionen, Prognosen und leere Versprechungen. Medien in der Wissenschaftsgeschichte der Meteorologie (Stefan Udelhofen)
  • 06.05.2013 Leerstelle Wort. Nicht-sprachliche Strategien wissenschaftlicher Praxis (Nora Probst)
  • 13.05.2013 Von Lust und Verlust oder: Was Puppen über Leben, Liebe und Tod erzählen können (Lisa Wolfson)

 

Brücken und Lücken

  • 27.05.2013 Die (etwas) anderen Cops: Minderheitenermittler als Leerstellen im Copactionfilm (Nils Bothmann)
  • 03.06.2013 Kulturaufbau in Afghanistan – Ein Unterfangen mit vielen Leerstellen (Hannah Neumann)
  • 10.06.2013 Zwischen Produzent & Konsument – Der Prosumer als Leerstelle der Medienwissenschaft (Kristina Kesseler)

 

Filmriss, Cliffhanger & Game Over

  • 17.06.2013 ‘Als der Film das Schreiben lernte…’ – Eine mediengenealogische Spurensuche zum Verhältnis von Ton, Bild und Schrift im Film (Johannes Breuer)
  • 24.06.2013 Origami-Einhörner in der narrativen Zentrifuge: Die Ästhetik des Ausfüllens von narrativen Ellipsen in transmedialen Film- und Fernsehangeboten (Christian Schmidt)
  • 01.07.2013 Time and Virtual Space in Video Games (Federico Alvarez Igarzábal)
  • 08.07.2013 Filling Out the Blanks – How VoD Changes Serial Television (Christian Junklewitz & Tanja Weber)
  • 15.07.2013 Abschlusssitzung