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Marc Augé

 

 

Marc Augé, Jahrgang 1935, lehrt Anthropologie an der Pariser École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS), deren Präsident er lange Jahre war.

Nach Feldstudien zu Gesellschaftsstrukturen und Symbolsystemen westafrikanischer Stämme, die Eingang in sein Werk Génie du paganisme (1982; dt. Der Geist des Heidentums) fanden, wandte er sich seit den 1980er Jahren der Ethnographie der eigenen Kultur und der Gegenwart zu. Weit über die Fachgrenzen bekannt wurde er mit seinem Essay Non-lieux (1992; dt. Orte und Nicht-Orte), in dem er die Schlüsselrolle von Durchgangszonen für die Raumerfahrung der von ihm so genannten ›Übermoderne‹ beschreibt.

Im gleichen Forschungszusammenhang stehen seine Arbeiten zu den städtischen Verkehrsmitteln der Gegenwart, insbesondere zur Metro und zum Fahrrad: Un ethnologue dans le métro (1986; dt. Ein Ethnologe in der Metro), Le métro révisité (2008), Éloge de la bicyclette (2008). Deutschen Lesern sind auch seine Untersuchungen zum Tourismus aus L’impossible voyage (1997) bekannt, die teilweise in Le monde diplomatique erschienen.


Anthropologie de la mobilité

Vortrag in französischer Sprache mit deutscher Übersetzung

Die technische, soziale und ökonomische Beschleunigung der ›Übermoderne‹ hat nicht nur eine Dezentrierung der Stadt zum Verkehrsknotenpunkt und der Wohnung zur Kommunikationsschaltstelle bewirkt, sondern auch die globale Verstädterung vorangetrieben. Dadurch sind Grenzen, die für die moderne Welt noch maßgeblich waren, gefallen und neuen Grenzen gewichen. An die Stelle des Stadt-Land-Gegensatzes ist derjenige zwischen geschlossenen und offenen urbanen Zonen getreten, die Ländergrenzen verschwinden zunehmend hinter der Demarkationslinie zwischen dem Norden und dem Süden. Vor diesem Hintergrund wirken urbane Utopien wie die der Westernstadt, in der sich die Zivilisation ankündigt, oder der in sich ruhenden »Cité Radieuse« Le Corbusiers längst anachronistisch. Doch haben sich solche Utopien nicht einfach erledigt, sondern vielmehr verlagert. Sie kreisen heute notwendig um eine allgemeine, räumliche wie zeitliche Mobilität, die es jenseits ökonomischer Imperative als Gebot demokratischer Praxis zu begreifen gilt.

Mittwoch, 11. November 2009 – 19.30 Uhr
Hauptgebäude der Universität zu Köln, Albertus-Magnus-Platz, Neuer Senatssaal