Profil

 

 

Medienwissenschaft an der Philosophischen Fakultät

Als Lehr- und Forschungsrichtung leistet die Medienwissenschaft seit langem strukturbildende, die verschiedenen Fächer und Fächergruppen der Philosophischen Fakultät vernetzende Arbeit.
So ist „Medienkultur: Medialität und Materialität“ der Titel eines von fünf Schwerpunkten im Selbstbericht der Fakultät, den diese im Juni 2009 vorlegte.

Die Philosophische Fakultät begreift Medienwissenschaft in einem kulturwissenschaftlichen Verständnis: Von der sozialwissenschaftlich ausgerichteten Kommunikationswissenschaft, die teilweise vergleichbare Gegenstände (etwa Fernsehen, Radio, Schrift- und Printmedien) untersucht, unterscheidet sie sich vor allem durch die Betonung von historischen, ästhetischen, medien- und kulturtheoretischen Aspekten.

Medienwissenschaft ist jedoch nicht nur eine spezifische ,Perspektive‘ auf eine Reihe von Gegenständen, sondern eine eigenständige, kulturwissenschaftliche Disziplin. Sie erforscht mit großer Pluralität von Ansätzen und Methoden die Vielfalt der Medien, medialer Konstellationen sowie Verfahren und betreibt deren Geschichtsschreibung und Theoretisierung. Damit leistet sie einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis von Geschichte, Kultur und Gesellschaft.

 

Moderneforschung an der Philosophischen Fakultät 

In der Philosophischen Fakultät ist die Erforschung der Moderne ein gewichtiger Bestandteil in allen zentralen Disziplinen sowie in den meisten Spezialfächern, zumal an der Fakultät verschiedene für die Moderne relevante Fächer in einem hierzulande fast beispiellosen Umfang vertreten sind. Die medien- und kulturwissenschaftliche, historische wie philologische Annäherung an die Moderne(n) als Epoche(n) und als kulturelle Entität(en) rekurriert auf höchst verschiedene Theorien und Methoden, die der gegenseitigen Ergänzung bedürfen.

Da Gegenstand und Entwicklungsinteresse der Moderne fächerübergreifend ausgerichtet sind, ist die Moderneforschung des MeMo weder inhaltlich noch strukturell an einem einzelnen Institut der Philosophischen Fakultät anzusiedeln.?Denn erst die Interdisziplinarität macht das Zugriffspotenzial auf die Moderne(n) wie z. B. die Klassische Moderne, die Postmoderne (Lyotard) oder die Neomoderne sowie die Formen der Moderne in verschiedenen Kulturräumen (S. N. Eisenstadt) fruchtbar und ergiebig. Nur so ist überhaupt eine sinnvolle und systematische Erforschung des kulturellen Selbstverständnisses der Moderne(n) und ihrer Ausdrucksfelder in ihrer ganzen Breite und Spannweite möglich.

Wissenschaftliches Profil und Spezifik

Als spezifische Stärke der Kölner Medienwissenschaft erweist sich ihre entschiedene Interdisziplinarität. Die Einrichtung eines medienwissenschaftlichen Studiengangs im Jahr 2002, der im Zuge der fakultätsweiten Umstellung auf BA/MA-Studiengänge als gestuftes Angebot „Medienwissenschaft“ erfolgreich akkreditiert wurde, ist hierfür ein deutlicher Beleg. Das Lehrangebot vermittelt Einsichten in die technischen und ästhetischen, die symbolischen und kommunikativen Eigenschaften einer großen Bandbreite von Medien. Aus einer vorwiegend kulturwissenschaftlichen Perspektive wird die historische Herausbildung und Wandlung von Medien in Verzahnung mit wissenschaftlichen, ökonomischen, politischen und sozialen Prozessen sowie der Beitrag der Medien zu Wahrnehmungs- und Wissensformen diskutiert. Vermittelt werden Theorien und Analysemethoden, die allgemeine Merkmale von Medien und von Medialität beschreiben.

Die erfolgreiche Arbeit des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs „Medien und kulturelle Kommunikation“ (SFB/FK-427) hat diese spezifische Kölner Stärke ebenfalls zur Geltung gebracht: die Kombination von mediengeschichtlicher Tiefenschärfe und medientheoretischer Breite.
Mit dem Veranstaltungsformat der Cologne Media Lectures hat das MeMo eine Plattform für die Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Entwicklungen der Medienwissenschaft in internationaler Perspektive etabliert, die sowohl zur fortlaufenden Vergewisserung und Profilbildung die vorhandenen interdisziplinären Strukturen innerhalb der Fakultät stärkt als auch einen konkreten Beitrag zur Verbesserung der Graduiertenausbildung liefert.

 

Als impulssetzende Organisationsstruktur für Forschung und Lehre begreift das MeMo die Moderneforschung als interdisziplinäres Vorhaben, um die gesamtkulturelle Bedeutung und Funktion der Moderne diskussionsfähig zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund ist das MeMo daran beteiligt, die zersplitterten Diskursfelder der Moderne zu bündeln und als kulturelle Orientierungsproblematik zu erörtern.

In Forschung und Lehre will das MeMo mittels aller Fachkompetenzen der Philosophischen Fakultät an und über die Universität zu Köln hinaus das kulturformative Potential der Moderne sowohl praxisorientiert als auch zum Vergleich internationaler Studien fruchtbar machen. Dazu kommt die gute Vernetzungsmöglichkeit mit Kölner Institutionen, an denen Moderneforschung praxisorientiert betrieben wird; und auch an dem vielgestaltigen Medienstandort Köln werden permanent Beiträge zu Fragen und Themen der Moderne produziert. So wird ein neues transdisziplinäres Gesamtwissen geschaffen und auf einem bisher eher heterogenen Feld von Forschung und Lehre zudem anschlussfähig für medienwissenschaftliche Forschungsperspektiven gemacht.


Das MeMo führt damit die Akteure medienwissenschaftlicher Arbeit und der Moderneforschung inner- und außerhalb der Fakultät zusammen und leistet so die Ausgestaltung der Profilschwerpunkte der Philosophischen Fakultät vor dem Hintergrund gegenwärtiger hochschul- und forschungspolitischer Weichenstellungen.